Die Sache mit dem Fahrstuhl

Inspiriert von Hermione’s beiden Blogartikeln (Aufzüge & Liftgirl) möchte ich mal meine Erfahrungen mit Aufzügen schildern, denn auch als Mitarbeiter gibt es da oft Begegnungen der anderen Art.

Wir haben einen Aufzug der uns fast direkt aus der Rettungsstelle auf die Intensiv bringt aber leider funktioniert der halt nicht immer. Denn wenn mein Krankenhaus eines nicht ist dann ist es neu. Und dann heißt es mit beatmeten, so semi-stabilen Patienten + den dazugehörigen Geräten durch den Hauptgang hetzen zu den dortigen Fahrstühlen. Das führt natürlich zu dem ein oder anderen neugierigen Blick.

Leider bleibt es – gerade beim Warten auf den Aufzug – oft nicht bei neugierigen Blicken sondern mutiert hin zu Gaffen. Auch das lässt sich meist mit ein paar klaren Worten regeln. Was mich aber immer wieder fasziniert & was ich nie verstehen werde ist folgendes:

Wir stehen da & die Fahrstuhltüren öffnen sich. „Wir“ das sind mindestens Patient auf Trage mit Defi + Beatmungsgerät + Perfusoren, eine Pflegekraft + ein Arzt mit nem viel zu großen Rearucksack. Nicht wirklich unauffällig.

Im Fahrstuhl stehen meistens bereits Menschen und was die dann meistens machen ist einen blöd anschauen. Und stehen bleiben. Und einen blöd anschauen. Manchmal kriegen es die Leute von selber mit das sie vielleicht aussteigen sollten. Manchmal muss man sie freundlich darauf hinweisen. Und manchmal gibt es tatsächlich Leute die trotzdem noch stur stehen bleiben. Weil sie waren ja zuerst im Fahrstuhl.

Wenn im Fahrstuhl mal niemand ist dann ist da meistens mindestens einer der auf einen Fahrstuhl wartet. Und manchmal scheint der nicht zu verstehen, dass das Personal mit dem Menschen auf der Trage Vorfahrt hat und versucht in den Fahrstuhl einzusteigen. Oder versucht alternativ nachdem wir drin sind noch dazu zu steigen.

(Zum Verständnishalber es passen gerade so die Trage mit zwei – drei Leuten in den Fahrstuhl wenn du dich neben die Trage quetschst & der Bauch nicht zu groß ist).

Und es ist ja nicht so als wären wir sonderlich unauffällig. Es ist ja nicht viel wie im Film im Krankenhaus aber so einen semi-stabilen, intubierten Patienten zu transportieren ist vor allem von der Geräuschkulisse her dann doch mal ähnlich. Das wir da keine Zeit haben erst noch Tante Erna auf ihrer Station rauszulassen sollte klar sein. Aber trotzdem gibt es immer wieder böse Blicke oder Leute die nicht aussteigen bzw dringend zusteigen wollen.

(Nebst Besuchern/Patienten für die ich da noch einen Hauch mehr Verständnis habe gibt es auch Kollegen die gerne drin bleiben bzw zusteigen. Und das Verstehe ich nun wirklich nicht. Gerade die sollten es ja wissen.)

Leute so schwer ist das nicht: Menschen im Bett haben Vorfahrt. Menschen an vielen Geräten haben die allermeiste Vorfahrt und außer du bist alt & gebrechlich solltest du aus dem Weg hüpfen ohne das wir auch nur ansatzweise Bremsen müssen. Und definitiv nicht versuchen dir mit uns einen Fahrstuhl zu teilen.

In diesem Sinne…

Die stillen Helden

Aus gegebenem Anlass möchte ich mal den „unbesungenen Helden“ des Krankenhauses danken. In den heutigen Tagen hört man ab und zu „ein Dank auch an das Krankenhauspersonal“ oder „Dank an die Ärzte und Pflegekräfte“.
Wenn Leute sich gerade während Katastrophenzeiten aber auch sonst beim Krankenhauspersonal bedanken, dann meinen die meisten Ärzte, eventuell noch die Pflege. Aber kein Krankenhaus funktioniert nur mit Ärzte und Pflege. Wir wären aufgeschmissen ohne all die Leute die uns jeden Tag begleiten. Und die werden viel zu oft vergessen.

An all diejenigen: DANKE!

Danke an die Röntgen MTAs ohne die wir kein Polytrauma und keine Rea vernünftig versorgt kriegen würden.

Danke an die Labor MTAs ohne die wir kaum einen Patienten diagnostizieren oder behandeln könnten.

Danke an die Mitarbeiter der Blutbank. Ohne euch wäre so mancher Patient verstorben, egal ob in der Rettungsstelle, im OP oder auf Station.

Danke an die Putzkräfte. Egal ob Erbrochenes, Stuhlgang oder Urin, ihr kriegt alles sauber. Ihr reinigt die OP Säle & sorgt dafür das Zimmer nach hochinfektiösen Patienten wieder benutzbar sind. Ihr kommt in den Schockraum und wischt 2l Blut vom Boden auf ohne ein Wort.

Danke an die OTAs. Ihr sorgt dafür das die Chirurgen überhaupt was in der Hand haben womit sie wild rumhantieren.

Danke an die Mitarbeiter der Sterilisators. Jede Nacht haut ihr euch um die Ohren damit sterilisierte Instrumente bereitstehen für alles von Ohrenschmalz entfernen zur Herztransplantation.

Danke an die Transporter. Ohne euch wäre jedes größere Krankenhaus schon lange zum Stillstand gekommen und kein Patient würde zur Diagnostik finden.

Danke an die Kollegen aus der Küche. Das sowohl wir als auch die Patienten Essen brauchen ist hoffentlich allen klar.

Danke an die Verwaltungskräfte. Patienten aufnehmen, verlegen, elektronische Akten zusammenführen. Wir sind jedes Mal aufgeschmissen wenn wir das selber machen müssen.

Danke an die Apotheke. Danke an die Kollegen die die Betten machen. Danke an die Medizintechnik & alle anderen Techniker. Danke an die die Auffüllen oder Nachbestellen oder Liefern.

Danke an alle die die dafür Sorgen das ein Krankenhaus funktioniert.

Danke an alle die im Katastrophenfall da sind und dafür Sorgen das wir Leben retten können. Ihr habt vielleicht noch nie eine Leiche gesehen oder reanimiert. Aber auch ihr rettet Leben. Ohne euch käme alles zum Stillstand. Ohne euch geht nichts.

Viele von euch arbeiten wie Ärzte und Pflege im Schichtdienst. Viele von euch opfern Feiertage, Wochenenden, Geburtstage für einen oft miserabel bezahlten und undankbaren Job. Ihr seit die unbesungenen Helden eines jeden Krankenhauses.

Danke.

Pflege kann jeder.

Es gibt sie immer wieder, die Diskussion darüber wer nun Pflege kann und wer nicht. Ob es darum geht Arbeitslose oder Flüchtlinge mehr oder weniger freiwillig in der Pflege einzusetzen (mit mehr oder weniger guter Ausbildung) oder Fachkräfte durch Pflegehelfer zu ersetzen. Sie wollen einfach nicht sterben die total tollen Ideen wie man dem Pflegenotstand begegnet indem man die Qualität der Pflege herunterschraubt.

Ebenso ausreichend wie schlechte Ideen gibt es auch die Beispiele das Pflege eben nicht jeder kann. Neulich hatte ich mal wieder so eine Situation.
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